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Ein schöner Brauch

Blievenstorf, den 26.04.2010

Ostern und die Eierschnorrer...

 

Was hat es damit auf sich, wenn in Blievenstorf am Ostersonntag manche Gartenpforte offensteht und bei genauerem Hinsehen gar nicht mehr da ist, wo sie hingehört?

Dann waren in der Nacht zuvor die Eierschnorrer unterwegs.

 

In der Osternacht brechen nach Osterfeuer oder Party lustige Grüppchen auf, um die Mitbürger mit ihrem traditionellen Spruch um eine Eierspende zu "bitten":

 

God'n Dag in juch Huus, juch Deel is so kruus,
juch Schoapstall is so holl un' boll,
achtein Eier gevt ji uns woll.

Achtein Eier in uns Kiep,
ji war'n selig, wi war'n riek.

Gevt ji uns kein Eier nich, peert uns Hahn juch Heuner nich.

 

Hett de geele Puut al lecht?

 

Rührt sich nichts, dann kommt mit Nachdruck noch ein Zusatz:

Laat' uns nich so lang hier stahn, denn wi will'n noch wierer goahn *)

 

Wenn man dann sowieso schon wach ist, öffnet man ein Fenster und reicht ein paar rohe Eier hinaus. Zum Dank bekommt man 'nen Lütten. Für besondere musikalische Darbietungen werden Extra-Eier erwartet.

Man kann auch gleich einen Korb voll Eier vor die Tür stellen. Wenn man dann aber Pech hat, nehmen die Ersten alles mit und die Nächsten kommen auf's leere Nest. Dann ist das Tor vielleicht trotzdem weg.

 

Für Zugezogene, die diesen Brauch nicht kennen, gilt es also zu beachten:

Vor den Schlafstubenfenstern keine Blumenbeete anlegen, - falls man den Spass nicht teilen möchte - das Gartentor entweder aushängen oder festschrauben und auswärts übernachten.

 

Was wird nun aus den Eiern?

Früher wurden die dann Reih-um bei einem der Teilnehmer in der Küche, wegen der oft damit verbundenen Sauerei in der Waschküche oder, wenn der Haussegen auch das nicht mehr zuließ, am Rand der Müllkuhle oder auf dem Brendelberg (der Hügel an der Ecke Waldweg/Mühlenweg) gebraten. Dann ging es darum, möglichst viele Eier zu verputzen. Und wem dann so richtig übel war, der wusste natürlich genau, dass nur die Eier schuld sein konnten.... ;)

 

Gar kein Verständnis können Blievenstorfer für den Brauch anderer Dörfer aufbringen, die erst zu Pfingsten losziehen. Da ist es dann zwar nachts nicht mehr ganz so kalt, aber was hat Pfingsten mit Eiern zu tun?

 

Maria Griepentrog, Blievenstorf

 

*) Text zusammengestellt mit Hilfe von Wilfried Kiesewalter